Rund 300 Tage im Amt

Am 28. September 2025 schenkten mir 1180 Suhrerinnen und Suhrer ihre Stimme. Seit zehn Monaten darf ich nun Verantwortung im Gemeinderat übernehmen. Diese Zeit war bereichernd, lehrreich und anspruchsvoll. Die Freude über das entgegengebrachte Vertrauen ist bis heute gross, und ich begegne diesem Amt weiterhin mit viel Demut.

Brandschutz, das neue Schulgesetz, Sprachförderung, Jugendfest, Stromgesetz und digitale Sicherheit: Meine ersten 300 Tage im Gemeinderat haben gezeigt, wie vielfältig kommunale Politik ist. Hinter jedem dieser Themen stehen konkrete Entscheidungen, die den Alltag der Bevölkerung berühren. Von aussen bleibt oft verborgen, wie viel Arbeit in einer Entscheidung steckt. Bevor ein Geschäft an einer Einwohnergemeindeversammlung behandelt wird, wurden Unterlagen geprüft, Varianten verglichen, Fachpersonen angehört und finanzielle sowie rechtliche Folgen abgewogen. Dabei kann ein vermeintliches Detail ebenso wichtig sein wie eine Investition, die Suhr über Jahrzehnte prägt.

 

Sicherheit, Schule und Jugend

Mein Ressort umfasst Bildung, Energie und IT. Bereits zu Beginn des Amtsjahres führte das tragische Ereignis in Crans-Montana vor Augen, welche Verantwortung die öffentliche Hand unter anderem beim Brandschutz trägt. Auch in Suhr rückten dadurch klare Zuständigkeiten, funktionierende Abläufe und regelmässige Evakuationsübungen stärker in den Fokus. Sicherheit beginnt nicht erst im Ernstfall, sondern bei der Vorbereitung.

Im Bildungsbereich beschäftigt uns aktuell unter anderem die im Kanton Aargau neu eingeführte Sprachstandserhebung bei Vorschulkindern. Sie soll frühzeitig aufzeigen, welche Kinder beim Erwerb der deutschen Sprache zusätzliche Unterstützung benötigen. Besondere Aufmerksamkeit widme ich zudem den folgenden Übergängen: dem Schuleintritt und dem späteren Wechsel in eine weiterführende Ausbildung oder ins Berufsleben.

Eine starke Gemeinde braucht aber mehr als einen funktionierenden Schulbetrieb. Gute Bildungsangebote und verlässliche Strukturen erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig soll Suhr ein attraktiver Arbeitgeber für Lehrpersonen und Mitarbeitende bleiben.

Wie wertvoll Begegnungen ausserhalb des Alltags sind, hat das Jugendfest gezeigt. Wegen der eingeschränkten Platzverhältnisse waren dieses Jahr besondere organisatorische Lösungen notwendig. Fragen zu Bewilligungen, Sicherheit und Infrastruktur mussten geklärt werden. Das Ergebnis hat den Aufwand belohnt: ein Volksfest, die Kinder, Eltern, Grosseltern und Vereine zusammenbrachte und den Zusammenhalt in Suhr spürbar machte.

 

Strom und Digitalisierung

In der Energieversorgung stehen derzeit grosse Veränderungen an: Das erste Paket des neuen nationalen Stromgesetzes trat Anfang 2025 in Kraft, das zweite folgte Anfang 2026. Die neuen Vorgaben stellen unsere gemeindeeigene TBS vor technische und organisatorische Herausforderungen. Einige Auswirkungen spürt auch die Bevölkerung direkt, etwa bei der Vergütung von Strom aus Photovoltaikanlagen.

In der Informatik geht es längst nicht mehr nur darum, dass Computer funktionieren. Schule und Verwaltung sind auf zuverlässige Systeme angewiesen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz und digitale Sicherheit. Digitalisierung soll Abläufe vereinfachen, vereinheitlichen und effizienter machen. Sie muss dabei sicher bleiben und den Menschen einen konkreten Nutzen bringen.

Begrenzter finanzieller Spielraum

Besonders eindrücklich war für mich die Erkenntnis, wie wenig Einfluss eine Gemeinde auf einen grossen Teil ihrer Ausgaben hat. Dazu zählen etwa die Pflegerestkosten und die Kosten für Sonderschulen. Diese Leistungen sind notwendig, ihre Entwicklung ist aber schwer planbar und die Kosten steigen.

Dadurch fehlt Geld für andere Vorhaben. Der Gemeinderat muss stets abwägen, welche Investitionen dringlich sind, was warten kann und wo ein heutiger Verzicht später höhere Kosten verursacht. Ein Geschäft, das zu Beginn eindeutig erscheint, sieht nach Prüfung aller Folgen oft anders aus. Gerade darin liegt eine der anspruchsvollsten Aufgaben des Amtes: unterschiedliche Bedürfnisse ernst zu nehmen und dennoch einen Entscheid für die gesamte Gemeinde zu treffen.

 

Verantwortung in bewegten Zeiten

Internationale Krisen, steigende Kosten, neue gesetzliche Vorgaben und der technologische Wandel machen nicht an den Gemeindegrenzen halt. Meine ersten 300 Tage haben mir gezeigt, dass verantwortungsvolle Politik keine schnellen Antworten verlangt, sondern sorgfältige Abklärungen, den Blick aus unterschiedlichen Perspektiven und die Bereitschaft, die eigene Position aufgrund neuer Erkenntnisse zu überdenken. Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind dabei besonders wertvoll. Nicht jedes Anliegen kann erfüllt werden, aber es verdient es, ernst genommen und geprüft zu werden.

Die 1180 Stimmen von damals bleiben für mich etwas Besonderes. Sie sind ein Auftrag, gewissenhaft zu arbeiten, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen. Nach rund 300 Tagen sind mein Respekt vor dem Amt und meine Freude daran weitergewachsen. Ich werde mich auch künftig mit vollem Einsatz und der notwendigen Demut für ein starkes und lebenswertes Suhr engagieren.