Weiterdenken für Suhr

Unsere Gemeinderatskandidaten Daniel Rüetschi und Grischa Ruprecht im Gespräch über Finanzen, Zukunftsprojekte und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Daniel Rüetschi (54), Gemeinderat, Ressorts Soziales, Gesellschaft und Gesundheit, sowie Ver- und Entsorgung, Verwaltungsrat TBS, Präsident Pflegezentrum Lindenfeld und Stiftungsrat Alters- und Pflegeheim Steinfeld; Biologe und Geograph www.daniel-rueetschi.ch

Grischa Ruprecht (25), Mitglied der Begleitgruppe Räumliches Entwicklungsleitbild (REL), Präsident Basketballclub Suhr, Vorstandsmitglied «Zäme in Suhr»; Elektroingenieur ETH Zürich www.grischa-ruprecht.ch

 

Gemeindefinanzen: Welche Investitionen haltet ihr in den nächsten Jahren für notwendig und wo sollten Ausgaben gesenkt werden?

DR: Der grösste Teil der geplanten Investitionen, z.B. das Umfahrungsprojekt VERAS, sind gebunden und Sanierungen von Schulanlagen hinauszuschieben, ist nicht sinnvoll. Bei der Gesundheit steigen die Pflegerestkosten stark an wegen der zunehmenden Alterung und vermehrter Anstellung pflegender Angehöriger bei privaten Spitex-Organisationen. Hier gibt es jedoch konkrete Ideen für günstigere Lösungen, wofür die erfolgte Fusion des Spitexvereins mit dem Pflegeheim Steinfeld eine gute Basis bildet. Wir haben nach wie vor die höchste Sozialhilfequote im Kanton. Da muss ich selbstkritisch sagen, dass die bisherigen Massnahmen zur Integration von Sozialhilfebeziehenden in die Arbeitswelt zu wenig erfolgreich waren. Es gilt von Gemeinden zu lernen, welche die Quote senken konnten. Ich konnte bereits aus Gesprächen gute Ideen zur vermehrten Arbeitsintegration bzw. zu Kostensenkungen in den Bereichen Wohnen, Gesundheit und Kinderbetreuung mitnehmen.

GR: Da viele Ausgaben gebunden sind, bleibt der finanzielle Spielraum auf Gemeindeebene klein. Umso wichtiger sind neue, tragfähige Ideen. Eine meiner Ideen, um die Sozialhilfequote langfristig zu senken ist, dass Minderjährige in der Sozialhilfe – von denen Suhr überdurchschnittlich viele hat – erfolgreich über die Lehre in die Berufswelt integriert werden. Dies dürfte einer der vielversprechendsten Ansatzpunkte sein. Daneben ist auch die Verbesserung der Einnahmen ohne Steuererhöhung sehr wichtig. Das Räumliche Entwicklungsleitbild (REL) und die Totalrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sind die Chance, unsere Steuerstruktur nachhaltig zu verbessern.

Wie stellt ihr sicher, dass es in Suhr keine «Luxuslösungen» gibt, aber trotzdem Qualität entsteht?

GR: Grosse Investitionen müssen konstruktiv-kritisch hinterfragt werden: Was brauchen wir wirklich, was wollen wir uns leisten? Im Altersbereich kann der Verein «Zäme in Suhr», gegründet 2024 auf Basis der Altersstrategie und getragen von Freiwilligen, einen wichtigen Beitrag leisten. Solche Initiativen sparen Kosten und stärken gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt, wie die von mir mitaufgebaute und wachsende Nachbarschaftshilfe bereits zeigt.

Gewerbe und Standortförderung: Wie kann Suhr für Gewerbe und Unternehmen attraktiver werden?

GR: Erreichbarkeit ist entscheidend für Kunden, Lieferanten und Angestellte. Das Projekt VERAS wird hier ein wichtiger Faktor. Ebenso wichtig sind schnelle, unkomplizierte Entscheide der Verwaltung. Dafür braucht es eine engagierte Anlaufstelle bei der Gemeinde. Branchencluster können die Standortattraktivität erhöhen. Suhr ist stark in der Lebensmittelbranche, aber auch Gesundheit und Bildung sind vertreten. Darauf lässt sich aufbauen. 2024 habe ich mit einem grossen Standortförderungsanlass eine Basis geschaffen, die im Gemeinderat weitergeführt wird. Die neue BNO muss unbedingt gewerbefreundliche Regelungen beinhalten. Denn Gewerbe bringt Leben in die Gemeinde.

DR: Die Einsprache gegen die geplante Werbeeinschränkung in der jetzigen Teilrevision der BNO zeigt wie sich die FDP fürs Gewerbe einsetzt. Gute Plakatstandorte an der Tramstrasse verbieten zu wollen, ist unnötig und gegen das Gewerbe. Dies habe ich im Gemeinderat bereits eingebracht und ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Schaden verhindern können.

Umwelt: Was müsste Suhr im Bereich Umwelt und Energie realistischerweise tun?

DR: Die kommunale Energiestrategie und die TBS bilden zusammen eine sehr gute Grundlage um Suhr vorwärtszubringen. Bei Sanierungen von Gemeindeliegenschaften sind die energetische Sanierung und lokale Solarstromproduktion bereits heute Teil des Bauprojekts.

GR: Wir können unter Einbezug der Eigentümerschaft das Potenzial für Solaranlagen noch stärker nutzen. Die IG Suhrsolar hat mit grosser bürgerlicher Beteiligung eine schweizweite Pionierleistung geschaffen. Darauf können wir aufbauen, etwa mit Beteiligungsmodellen an grossen Anlagen oder intelligenten Speicherlösungen für Strom und Wärme.

Weitsicht und Strategie: Was läuft aus eurer Sicht in der strategischen Planung der Gemeinde heute nicht rund?

GR: Suhr ist stark gewachsen, besitzt aber kaum eigenes Land und kann die Entwicklung nur eingeschränkt steuern. Gestaltungspläne und die BNO sind die zentralen Instrumente. «Entdichten» über Abzonungen führt aber zu hohen Schadenersatzforderungen der Eigentümerschaft, was die Gemeinde nicht bezahlen kann. Gleichzeitig muss die Dichte mindestens den kantonalen Vorgaben entsprechen. Deshalb sind Vorgaben aus dem REL als Grundlage für die neue BNO so wichtig.

Gesellschaft und Vereine: Wie gelingt es, junge Menschen und Zugezogene besser ins Vereinsleben zu integrieren und was kann die Gemeinde Vereinen gegenüber besser machen?

DR: Die über 70 Vereine sind sehr wichtig für das Zusammenleben in Suhr. Um die Gewinnung neuer Mitglieder zu fördern, wurde der bisherige Neuzuzügeranlass unter der Führung der Abteilung Gesellschaft mit «VEREINt in Suhr» zu einem erfolgreichen Kennenlerntreffen für Neuzuzüger, Vereine, Freiwillige und Parteien ausgeweitet. Die Gemeinde unterstützt die Vereine auch direkt (z.B. Jugendförderungsbeitrag) und mit Koordinationsleistungen z.B. durch die Abteilung Gesellschaft. Ferner engagieren sich viele Freiwillige ausserhalb von Vereinen, z.B. in den Nachbarschaftshäusern der Gemeinde, und stärken so den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Nachbarschaftshilfe.

GR: Vereine sind das soziale Rückgrat unserer Gemeinde. Aus meiner Erfahrung als Präsident des Basketballclubs Suhr und Vorstand von «Zäme in Suhr» weiss ich: Vereine brauchen vor allem Freiraum und unkomplizierte Unterstützung seitens der Gemeinde. Mit wenig Aufwand kann hier viel bewirkt werden.